Beim Bund laufen derzeit 116 Projekte mit künstlicher Intelligenz. Am 18. September wurde bekannt: Wegen begrenzter Mittel werden sechs von acht übergeordneten Unterstützungsmassnahmen weitergeführt. Dazu gehören gemeinsame Grundlagen und eine Datenbank, über die bestehende Lösungen einfacher gefunden werden können.
Darin steckt eine Führungsfrage, die auch Schweizer KMU betrifft: Wie schaffen wir aus einzelnen Versuchen einen verlässlichen Nutzen, ohne dieselbe Arbeit mehrfach zu bezahlen?
Dieselbe Arbeit nicht doppelt bezahlen
Ein einfaches Beispiel: Der Verkauf testet einen Assistenten für Produktfragen. Der Kundendienst entwickelt eine Hilfe für Kundenanfragen. Beide benötigen dieselben Produktinformationen.
Organisiert jedes Team Datenzugriff, Aktualisierung und Berechtigungen separat, entstehen doppelte Aufwände. Im ungünstigen Fall erhalten Kunden sogar unterschiedliche Antworten. Eine gemeinsam gepflegte Grundlage kann beide Anwendungen besser und günstiger machen. Dafür braucht es früh eine Abstimmung darüber, was gemeinsam genutzt werden soll.
Vom Versuch zum Tagesgeschäft
Der entscheidende Moment kommt, wenn aus einem Versuch ein Teil des Tagesgeschäfts wird. Dann zählen andere Fragen als bei einer überzeugenden Demonstration:
- Welche Arbeit fällt tatsächlich weg?
- Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
- Wer verantwortet die Anwendung und ihre laufenden Kosten?
- Was passiert, wenn sie ausfällt?
Zwei Listen für die Geschäftsleitung
Ich würde deshalb in jeder Geschäftsleitung zwei Listen führen:
Liste 1: Experimente
- Was testen wir?
- Bis wann?
- Woran erkennen wir, ob sich die Idee lohnt?
Liste 2: Anwendungen im Alltag
- Welchen messbaren Nutzen liefern sie?
- Was kostet ihr Betrieb?
- Wer trägt die Verantwortung?
Ein Experiment darf noch unvollständig sein. Sobald Mitarbeitende oder Kunden darauf angewiesen sind, müssen Qualität, Zuständigkeit und Betrieb geklärt sein.
Der wichtigste Erfolgsmassstab bleibt der Geschäftsnutzen: weniger Bearbeitungszeit, weniger Fehler, schnellere Antworten oder zusätzliche Kapazität. Wiederverwendung kann diesen Nutzen vergrössern. Wenn eine geprüfte Datenanbindung auch der nächsten Anwendung hilft, bezahlt das Unternehmen einen Teil der Arbeit nur einmal. Eine einzelne Lösung kann sich aber ebenso lohnen, wenn ihr Nutzen die Kosten rechtfertigt.
Zur Führungsaufgabe gehört auch, Versuche zu beenden. Eine technisch spannende Idee ohne ausreichenden Nutzen sollte keine Dauerposition im Budget werden.
Die Chance der KMU
KMU haben hier einen Vorteil: Kurze Entscheidungswege erleichtern es, Erfahrungen zu teilen und gemeinsame Regeln festzulegen. Oft beginnt das mit einer einfachen Übersicht über laufende Vorhaben, ihre Verantwortlichen und ihre Ergebnisse.
Meine Frage für die nächste Geschäftsleitungssitzung wäre deshalb: Welche unserer Anwendungen mit KI entlastet das Tagesgeschäft bereits messbar – und welche ist noch ein vielversprechender Versuch?
Quellen
- Medienmitteilung des Bundes vom 18. September 2026









