Was passiert, wenn bei einem Unfall niemand mehr den Notruf wählen kann? Genau dann kommt eCall ins Spiel: ein automatischer Notruf, den das Fahrzeug selbst absetzt. Next Generation eCall (NG eCall) bringt diesen Dienst auf den neuesten technischen Stand und macht ihn schneller, digitaler und zuverlässiger.
Was ist eCall?
eCall steht für «emergency call»: ein automatischer Notrufdienst, der in Neufahrzeugen in Europa seit 2018 Pflicht ist. Bei einem schweren Unfall wählt das System automatisch die europäische Notrufnummer 112, überträgt den Standort und wichtige Fahrzeugdaten (Minimum Set of Data, MSD) und baut eine Sprachverbindung zur nächsten Notrufzentrale auf, bisher über die Mobilfunkstandards 2G oder 3G.
Was ist Next Generation eCall?
Mit NG eCall wird der bewährte Notrufdienst fit für die Zukunft. Statt über die alten 2G- und 3G-Netze läuft die Übertragung IP-basiert über 4G/LTE und bald auch über 5G. Das System nutzt das IP Multimedia Subsystem (IMS) des Voice-Service-Providers und überträgt den Notruf über das Protokoll SIP.
Der Vorteil: Der Rufaufbau ist schneller, die Verbindungen sind stabiler, gerade in ländlichen Gegenden, und das System ist für die Fahrzeugelektronik von morgen vorbereitet. Gleich bleibt die Genauigkeit der Standortdaten: eCall und NG eCall beruhen beide auf GPS.
Rückblick: ETSI NG eCall Plugtest 2025 in Bonn
Im Juni 2025 fand in Bonn ein europaweiter Live-Test mit über 40 Partnern statt, darunter Fahrzeughersteller, Netzbetreiber und Notrufstellen. Im Fokus stand die Interoperabilität von NG eCall im realen LTE-Netz der Deutschen Telekom: Notrufe sollen auch grenzüberschreitend und unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktionieren.
Intersys hat gemeinsam mit dem Partner CreaLog 12 verschiedene Testreihen mit unterschiedlichen Fahrzeugherstellern durchgeführt und alle Testszenarien bestanden.

3G-Abschaltung: ein zusätzlicher Treiber
Die Umstellung auf NG eCall beschleunigt auch die Abschaltung der 3G-Netze in Europa und in der Schweiz. Sunrise hat den Abbau von 3G bereits begonnen, Swisscom folgt bis Ende 2025. Fahrzeuge mit eCall-Systemen auf 3G-Basis müssen darum auf den neuen IP-basierten Standard umgestellt werden, damit der automatische Notruf weiter funktioniert.
Der LIS als Drehscheibe im NG112-Umfeld
Ob eCall, NG eCall, Mobil- oder Festnetzanruf: Moderne Notrufsysteme brauchen verlässliche Standortdaten. In der Schweiz laufen diese Daten im zentralen Location Information Server (LIS) zusammen, den Intersys im Auftrag von Swisscom für Next Generation 112 entwickelt hat. Er nimmt die Daten der Notrufe entgegen, auch die Fahrzeugdaten aus eCall, und stellt sie über den LIS-Proxy den Notrufzentralen von Polizei, Feuerwehr und Sanität bereit. Alle 55 Notrufstellen der Schweiz greifen darauf zu.
So kommt die Hilfe schneller und genauer an den Unfallort.
Wie Intersys die NG112-Infrastruktur für die Schweiz umgesetzt hat, zeigt die Erfolgsgeschichte NG112: Notrufe in der ganzen Schweiz präzise lokalisieren.