
Swisscom · Telekommunikation
NG112: Notrufe in der ganzen Schweiz präzise lokalisieren
Mit der Einführung von Next Generation 112 erhalten die Notrufzentralen den Standort jedes Notrufs automatisch und präzise – rund um die Uhr, für Festnetz, Mobilfunk und Fahrzeuge.
Herausforderung
Ob Brand, Unfall oder Einbruch: Polizei, Feuerwehr, Sanität und Rega müssen schnell und präzise am Einsatzort sein. Dafür brauchen die Notrufzentralen den genauen Standort der anrufenden Person.
Als Grundversorgungskonzessionärin stellt die Swisscom (Schweiz) AG im Auftrag des BAKOM allen Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS) die Notrufsysteme zur Verfügung – hochverfügbar, an jedem Tag des Jahres.
Lösung
Intersys hat im Auftrag von Swisscom die zentrale Backend-Lösung für Next Generation 112 (NG112) entwickelt und eingeführt. Alle Schweizer Anbieter von Mobil- und Festnetz liefern ihre Standortdaten an diese zentrale Lösung. Sie besteht aus drei Kernkomponenten.
Der Location Information Server (LIS) speichert die Standortdaten der Notrufe in Echtzeit und liefert über geografisch redundante Systeme konsistente Ergebnisse. Der AML-ReceptionServer wandelt die gerätebasierten Standortdaten, die ein Smartphone bei einem Notruf per SMS sendet (Advanced Mobile Location, AML), in standardisierte Formate um und gibt sie an den LIS weiter. Der LIS-Proxy übermittelt die Daten zuverlässig an die Notrufzentralen.
Verarbeitet werden Anrufe aus dem Festnetz, Notrufe vom Mobiltelefon und automatische Notrufe von Fahrzeugen bei Unfällen (eCall) mit ihrem Minimum Set of Data (MSD). Diese gerätebasierten Daten kommen zu den bestehenden netzbasierten Verfahren hinzu. Je nach Art und Ort des Anrufs bestimmen die GPS-basierte Lokalisierung des Geräts und netzbasierte Verfahren den Standort auf 5 bis 50 Meter genau. Daten von iOS, Android und HarmonyOS sind produktiv angebunden.
Die Lösung setzt die ETSI-Standards ES 203 178 und TS 103 479 um und nutzt die Protokolle HELD und PIDF-LO. Ein In-Memory-Data-Grid synchronisiert die Daten in Echtzeit über vier Rechenzentren. Ein Monitoring mit spezifischen Metriken sorgt für einen transparenten Betrieb und eine gezielte Alarmierung.
Wirkung
Alle 55 BORS-Notrufstellen der Schweiz sind an den LIS angebunden, und alle in der Schweiz zugelassenen nationalen und internationalen Notrufnummern werden verarbeitet. Weil die Standortdaten automatisch bereitstehen, verkürzen sich die Reaktionszeiten. Die gerätebasierte Lokalisierung per GPS macht den Standort zudem deutlich präziser.
Die georedundante Architektur sichert eine durchgängige Verfügbarkeit. Automatisierte Prozesse reduzieren manuelle Eingriffe und senken die Betriebskosten. Die Umsetzung nach ETSI-Standards macht die Lösung interoperabel und zukunftssicher.
Der LIS ist der erste landesweit vollständig eingeführte LIS-Dienst in Europa.
Intersys ist Mitglied der European Emergency Number Association (EENA), die sich für bessere Notrufdienste und die Zusammenarbeit im Bereich der öffentlichen Sicherheit in Europa einsetzt.
- angebundene BORS-Notrufstellen
- 55
- Alle Notrufzentralen der Schweiz, angebunden über den LIS-Proxy
- Genauigkeit der Standortbestimmung
- 5–50 m
- Je nach Art und Ort des Anrufs, per GPS oder aus dem Netz
- georedundante Rechenzentren
- 4
- Ein gemeinsames In-Memory-Data-Grid, Abgleich innert Millisekunden
Quelle: Projektangaben Swisscom und Intersys, Stand 2024
Einblick in NG112
So kommen die Standortdaten zur Notrufzentrale
- Eine Person wählt eine Notrufnummer, vom Mobiltelefon, im Festnetz oder automatisch aus dem Fahrzeug (eCall).
- Der Anbieter liefert die Daten des Notrufs über die standardisierte Schnittstelle «ic» mit dem Protokoll HELD an den zentralen LIS.
- Ein Smartphone sendet seinen Standort zusätzlich per SMS (AML). Der AML-ReceptionServer empfängt sie und gibt die Daten über dieselbe Schnittstelle an den LIS weiter.
- Der LIS hält die Daten je Notruf bereit und vergibt eine anonyme Referenz, die vier Stunden gültig ist.
- Die Notrufzentrale fragt die Daten ergänzend zur Sprachverbindung über den LIS-Proxy ab (Schnittstelle «im»). Der LIS-Proxy holt sie über die Abfrageschnittstelle «if» beim LIS.

Welche Daten die Notrufzentrale erhält
Die Daten kommen im Standardformat PIDF-LO: der Standort, die Methode, mit der er ermittelt wurde, seine Genauigkeit, Regeln für die Verwendung und ein Zeitstempel. Der Standort ist entweder geodätisch, als Fläche mit Koordinaten, oder eine Adresse.
Bei einem Mobilfunk-Notruf zeigt der LIS zum Beispiel die Antennendaten und den daraus berechneten Standortbereich auf der Karte.

Hochverfügbar über vier Rechenzentren
Der zentrale LIS ist eine logische Einheit, läuft aber in mehreren Instanzen in vier georedundanten Rechenzentren in der ganzen Schweiz. Die Instanzen teilen ein In-Memory-Data-Grid über alle vier Standorte: Was eine Instanz empfängt, kennen die anderen innert Millisekunden. So erhält die Notrufzentrale über den LIS-Proxy immer dasselbe Ergebnis.
Auch AML-ReceptionServer und LIS-Proxy laufen hochverfügbar. Fällt eine LIS-Instanz aus, verbinden sie sich automatisch mit einer Instanz in einem anderen Rechenzentrum.
eCall: der Notruf aus dem Fahrzeug
Bei einem schweren Unfall wählt das Fahrzeug selbst die 112 und überträgt das Minimum Set of Data (MSD) mit Standort und Fahrzeugdaten. Der LIS stellt diese Daten der Notrufzentrale bereit wie jeden anderen Notruf.
Mit Next Generation eCall läuft dieser Notruf IP-basiert über 4G/LTE statt über 2G/3G. An den ETSI Plugtests 2025 hat Intersys mit dem Partner CreaLog alle Testszenarien für NG eCall bestanden.
Erfolgsgeschichten
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